Ich
betrete das Theater – zu früh, wie geplant – gebe meinen Mantel an der
Garderobe ab und setze mich, wie vereinbart, an die Erfrischungsbar. Ich bin
die Einzige, alle anderen stehen in Grüppchen zusammen, blättern den
Programmflyer durch, lachen und quatschen. Ich hänge meinen Schaal über den
Trageriemen meiner Tasche, bestelle ein Glas Sekt „auf den Herrn der gleich zu
mir stößt“ und warte. Ich bin leicht lampenfiebrig, nicht über alle Maßen
nervös. Mein zweites Mal – das erste mehr oder minder spontane Einspringen lief
großartig, keinen Grund zur Panik also. Ich weiß, du bist Anfang 40 und ich
weiß, du bist Wirtschaftsprüfer. Ich hoffe auf ein paar Gesprächsschlenker in
wirtschaftliche Richtung.
„Guten Abend“ gepaart mit deiner Hand auf meiner Schulter, ohne das ich dich hätte kommen sehen oder hören.
„Hallo“ ich zimmere das mustergültigste Lächeln auf meine Lippen, welches im Zuge der ersten Schrecksekunde möglich ist. Das Einführungsgeplänkel läuft gut – gegenseitige Sympathie, wie es scheint. Dein Umschlag findet den Weg in meine Tasche, wir stoßen miteinander an, gehen schnell zum ‚Du‘ über, der Abend kann beginnen. Ich brauche mir keine Mühe zu geben, dass Gespräch am Leben zu erhalten, du bist der geborene Smalltalker und fragst eine Menge, ich erzähle viel und frage zurück. Mein Studium, dein Beruf, mein nicht vorhandener fester Freund, deine sehr wohl vorhandene Ehefrau, mein Sport, deine Vereinsmitgliedschaften, meine Haushaltsführung, gute Restaurants in der Nähe, Migranten. Bei Letzterem schweifst du aus – ganz im Gegensatz zu mir. Ich bin nicht sicher, ob ich eine leicht rechtspolitische Gesinnung heraushöre, möchte die Sympathie aber nicht gehen lassen und ignoriere deshalb jeglichen, ausländerkritischen Unterton.
„Was sagst du zur Vorabdebatte zum Zschäpe-Prozess?“, fragst du.
„Den Rüffel vom
Bundesverfassungsgericht, finde ich in Ordnung… das OLG München hätte gegenüber
den türkischen Medienvertreten von Anfang an etwas nachsichtiger sein sollen,
allerdings fand ich den Großteil der Vorabdebatte trotzdem schwachsinnig.“ Ich erkläre,
dass all diejenigen Journalisten und Bundestagsabgeordneten, die im Vorfeld
gefordert haben, die Bundesregierung solle sich einmischen, meiner Meinung nach
schlichtweg keine Ahnung von Gewaltenteilung haben und es sogar gut und wichtig
ist, dass die Regierung sich, bei organisatorischen Verfahren -wie besagter
Akkreditierung, die ausschließlich dem Gericht selbst obliegen- weder einmischen _soll_, noch einmischen
_darf_.„Guten Abend“ gepaart mit deiner Hand auf meiner Schulter, ohne das ich dich hätte kommen sehen oder hören.
„Hallo“ ich zimmere das mustergültigste Lächeln auf meine Lippen, welches im Zuge der ersten Schrecksekunde möglich ist. Das Einführungsgeplänkel läuft gut – gegenseitige Sympathie, wie es scheint. Dein Umschlag findet den Weg in meine Tasche, wir stoßen miteinander an, gehen schnell zum ‚Du‘ über, der Abend kann beginnen. Ich brauche mir keine Mühe zu geben, dass Gespräch am Leben zu erhalten, du bist der geborene Smalltalker und fragst eine Menge, ich erzähle viel und frage zurück. Mein Studium, dein Beruf, mein nicht vorhandener fester Freund, deine sehr wohl vorhandene Ehefrau, mein Sport, deine Vereinsmitgliedschaften, meine Haushaltsführung, gute Restaurants in der Nähe, Migranten. Bei Letzterem schweifst du aus – ganz im Gegensatz zu mir. Ich bin nicht sicher, ob ich eine leicht rechtspolitische Gesinnung heraushöre, möchte die Sympathie aber nicht gehen lassen und ignoriere deshalb jeglichen, ausländerkritischen Unterton.
„Was sagst du zur Vorabdebatte zum Zschäpe-Prozess?“, fragst du.
„Das ganze -von der Verfassung vorgesehene- System würde doch ad absurdum laufen, wenn Legislative und Exekutive sich plötzlich in Belange einmischen dürften, die einzig und alleine die Justiz angehen:“
Ich bin nicht sicher ob du genau die Art von Antwort hören wolltest. Kann man das jemals sein?!
Und plötzlich habe ich Angst, das Gespräch könne sich in einem Gewirr aus unseren politisch offensichtlich gegensätzlichen Standpunkten verheddern. Der Einlassgong rettet mir das Leben.
Ich bekomme von der ersten Hälfte den einen oder anderen Dialog mit, muss lachen, eine Komödie offensichtlich. Deine Hand ist unaufhörlich zwischen meinen Knien, auf meinen Schenkeln, unter meinem Rock unterwegs – dich interessiert das Stück scheinbar wenig. Es ist nicht gerade deine Hand, die mich anturnt, viel mehr prickelt der Gedanke, dass all diese fremden Menschen um uns herum sitzen und nur den Kopf von der Bühne abwenden müssten, um unsere Hände sehen zu können. Keine Ahnung, weshalb ich das spannend finde. Macht sich da eine leicht exhibitionistische Ader bemerkbar? Die Pause markiert für uns das Ende der Vorstellung.
Du hast es der Agentur überlassen, ein Hotel in der Nähe des Theaters zu buchen –das ist immer gut, die buchen nicht nur gute Hotels, die buchen auch stets die gleichen Verdächtigen, die die sich eben bewährt haben, sodass man einen kleinen Teil des Personals flüchtig kennenlernt, je öfter man dort ist. Auf dem Zimmer schlägst du vor, kurz zu duschen, weil du unmittelbar von der Arbeit zum Theater gekommen bist. Ist mir sehr recht. Nachdem du im Bad verschwunden bist tätige ich den obligatorischen Sicherheitsanruf in der Agentur, ziehe mich in Ruhe um, zähle schnell das Geld und überlege, ob ich meinen Lippenstift auffrischen soll. Ich lasse es – der war zu teuer, als das ich ihn gleich überall über das Kondom geschmiert sehen will. Ich liege bereits auf dem Bett, als du aus dem Bad kommst – nass, nach Hotelseife riechend und nackt. Du gesellst dich zu mir, es werden einige zungenlastige Küsse ausgetauscht und ich fische ein Kondom aus meiner, neben dem Bett stehenden Tasche. Das war eine der ersten Regel, die ich gelernt habe. Tasche in Reichweite stehen lassen! Nicht nur um schnell an Spielzeug und Gummis heranzukommen, auch um das Handy griffbereit zu haben. Damit es in einem hoffentlich nie eintretenden Ernstfall innerhalb von Sekunden herausgefischt ist, man sich damit im Bad einschließen und Rezeption, Agentur oder Polizei anrufen kann.
„Würdest du auch ohne…“ fragst du, einen unsicheren Blick zwischen mir und deinem Geschlecht hin und her werfend.
„Nein, nie“ ich bin freundlich, aber deutlich. Beim ersten Mal, fiel es mir nicht ganz so leicht den Wunsch abzulehnen, aber da praktisch jeder Zweite zunächst einmal nach Französisch ohne Gummi fragt, habe ich eine gewisse Routine entwickelt, die Frage kurz und gewissensbissfrei abzubügeln. Die nächsten Minuten laufen glatt, keine Unannehmlichkeiten, keine Missverständnisse. Ich beobachte deine sich hebende und senkende Bauchdecke und frage mich, wieso zu Hölle ich Geschmacksrichtung Minze bestellt habe. Ich bin es gewohnt, solange weiterzumachen, bis ich gebremst werde, aber du bremst mich nicht. Ein, zwei, vielleicht drei weitere Minuten später übertönst du das leise, schmatzende Geräusch und kommst.
Im Grunde mag ich diese Situationen nicht sonderlich gerne. Da weiß man nie, wie du jetzt genau weiter machen willst. Willst du auch noch ‚richtig‘? Kannst überhaupt noch richtig? Fragen kann ich das selbstverständlich nicht, krieche –mit dem seltsamen Gefühl eben Zähne geputzt zu haben- auf deine moderat behaarte Brust und läute eine zweite Kussrunde ein. Ich bin froh darüber, dass du durch Körperhaltung und Art der Berührungen deutlich machst, das Zepter selbst in die Hand nehmen zu wollen. Für mich wesentlich einfacher. Und trotz einer leicht dominanten Attitude, bist du keiner von der Sorte, die ausschließlich bereit ist zu nehmen.
Es dauert nicht lange und ich bin abgesehen von den Strümpfen jegliche Textilien los, liege –deinen Kopf zwischen meinen Schenkeln- auf dem Rücken und mein Blick bohrt Löcher in den barock-artigen Stuck an der Decke. Dein Bemühen ehrt dich…ein Sexegoist bist du nicht. Ein Sexperte leider auch nicht. Überhaupt nicht! Mein Blick lässt immerhin den Stuck wissen, dass mein Kitzler keine Playstationkonsole ist, auf der man wahllos, ob nun mit Fingern oder Zunge, herum klitschen kann und hinterher doch zum Ziel kommt – ich kann allerdings nicht viel mehr machen, als dich gewähren zu lassen und dir hin und wieder ein zartes Stöhnen zu schenken. Stöhnen ggü. Männern ist mit Leckerlies vergleichbar, die man Hunden hinhält. Es ist zwar nicht wirklich in meinem Sinne, dich zu loben –denn offenbar hast du die „Sitz‘“ „Platz‘“ und „Pfötchens“ beim Oralverkehr, in deinen mehr als vierzig Lebensjahren noch nicht gelernt- aber immerhin gehe ich hier mit 460€ Festhonorar und 150€ Extra –von denen ich auch der Agentur nichts abgeben muss- heraus, auch unbefriedigt.
Minuten und Viertelstunden vergehen, mal steigerst du dich, mal baust du wieder ein bisschen ab, Küsse gefallen mir und gegen ein bisschen Löffeln habe ich auch nichts. Wir haben 4 meiner Minzekondome verbraucht, als die zwei gebuchten Stunden zuende gehen. Wir verabschieden uns und bei deinem Versprechen auf ein baldiges Wiedersehen lächele ich nur. Im Aufzug frage ich mich, wie das Theaterstück wohl ausgegangen ist. Ich hätte die zweite Hälfte gerne geschaut. Vielleicht frage ich Moritz mal, ob er mit mir reingeht. Ich hole mir auf dem Weg zum Taxi ein Mr. Tom am Kiosk, weil ich bisher lediglich gefrühstückt und Sekt getrunken habe - es ist 22:48 Uhr.
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Junge, Junge…was ein chaotisch begonnenes Date.
Hätte es beinahe im letzten Moment hingeschmissen. Es war erst das zweite Mal,
dass ich so verdammt spontan eingesprungen bin, beim ersten Mal lief allerdings
alles glatt. Gestern Abend nicht wirklich – zumindest nicht im Vorhinein. Erst
hieß es keine Strümpfe, dann doch Strümpfe, dann Musical (darauf hatte ich mich
eigentlich ziemlich gefreut), dann doch kein Musical sondern Theater, dann vor
dem Theater zusammen essen, dann doch kein Essen, weil er bis kurz vorher
arbeiten musste (Mist, dafür hatte ich extra nichts zum Mittag gegessen)
Naja, was solls…es war im Endeffekt ja doch in Ordnung. Ich bin eben erst aufgestanden und immer noch hundemüde. Keine Ahnung wieso. Jetzt erst einmal eine rauchen, ordentlich frühstücken und dann die Wiederholung von der heute-Show gucken.
Naja, was solls…es war im Endeffekt ja doch in Ordnung. Ich bin eben erst aufgestanden und immer noch hundemüde. Keine Ahnung wieso. Jetzt erst einmal eine rauchen, ordentlich frühstücken und dann die Wiederholung von der heute-Show gucken.

Es ist eine Wohltat, deinen Blog zu lesen. Du bist wirklich gebildet...ist in der Bloggerwelt ja inzwischen leider eher selten.
AntwortenLöschenIch beneide immer noch deinen Verdienst...du musst am Monatsende eine ganz hübsche Summe beisammen haben ;)
Tja...mit meinem Freund habe ich schon so oft darüber geredet, was mich stört und dass er eigentlich eine Therapie machen müsste, aber ich kann ihn nicht zwingen, er muss wollen.
Wir lieben uns, das ist gar keine Frage, sonst hätten wir die letzten fünf Jahre nicht durchgehalten bei all dem Chaos.
Es war und ist nicht immer einfach und ich will auch nicht einfach aufgeben, aber in meinem Kopf ist halt immer wieder die leise Stimme, die mich fragt, ob es allein mit dem Kind nicht einfacher wäre. Ich weiß, dass es das nicht ist. Ich will auch gar nicht wirklich ohne ihn und die Kleine liebt ihren Papa schon jetzt. Es ist eben nur die Frage, die immer mal wieder auftaucht.
Und nein, Gott bewahre, er weiß nichts von meinem Blog! Reicht, wenn meine Mama mitliest. Wenn er den liest, kann ich ja gar nicht mehr offen und ehrlich schreiben...
Liebe Grüße
Jessy
Interessanter Abend, ich könnte nicht umhin, zu grinsen bei der Episode mit dem Sexperten. :D Ich weiß auch nicht, wie man einem Mann klar machen soll, was er da unten zu tun hat / tun sollte, ohne ihn unendlich zu kränken.
AntwortenLöschenPolitische Meinungsverschiedenheiten sind natürlich ein ziemlicher "Abturner". Ich meine, klar, du bekommst Geld und alles dafür, aber wäre er eindeutiger in rechte Gefilde abgedriftet, hättest du den Abend vorzeitig beendet?
Die heute-show habe ich mir auch eben noch reingezogen. Letzte Woche war irgendwie besser. :P
<3
aaaaa du hast mich vorher schon immer mit deinem moritz verrückt gemacht. erzähl mal bitte ein bißchen von dem
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