Donnerstag, 25. April 2013

Klappe, die Sechsundzwanzigste: Und einen Moment lang wünscht man sich, die Welt wäre 2012 doch untergegangen…




Dann wäre mir der Tag heute erspart geblieben.
Und dabei fing alles so schön an. Zwei Vorlesungen am Morgen, unverändert großartiges Wetter, nette Menschen, gute Laune. Verfassungsprozessrecht wäre die dritte und letzte Veranstaltung für heute gewesen, habe sie allerdings sausen lassen, weil Mama sich angekündigt hat.
Sie war heute früh auf einer Fortbildung hier in der Nähe und ist danach vorbei gekommen. Wir haben gemeinsam gekocht, Mittag gegessen, gequatscht. So weit, so reibungslos.

Bis ich Vollidiot nicht an mir halten konnte und sie auf die Sache mit Papa angesprochen habe.
Die Schärfe im Gesprächston hat so rasant zugenommen, wie die Entspanntheit der Atmosphäre abgenommen hat. Meine Mama ist eine brillante Diskussionspartnerin, insofern man Lust hat, verbale Schienbeintritte zu kassieren. Schlagfertig bis ins Mark. Im Grunde reine Verschwendung, dass sie wohl nie Ambitionen hatte, Rechtsanwältin zu werden. Sich mit anderen, cleveren Großmäulern in einer gerichtlichen Manege zu duellieren würde weit besser passen, als kleinen Kindern Hustensaft und Fieberzäpfchen zu verschreiben.
Auf einen simplen Kern herunter gebrochen, bezog sich ihre Argumentation größtenteils darauf, dass jegliche Interaktionen mit meinem Papa "ihre ganz persönliche Sache" seien.
Es gipfelte, als ich blöderweise in den Raum geworfen habe, dass sie es mir wenigstens hätte erzählen können, weil zwischen uns (im Vergleich zu früher) mittlerweile eine Art Vertrauensbasis herrsche.

„Du bist, soweit ich weiß, nicht in der Position, dich mir gegenüber auf eine Vertrauensbasis zu berufen, mein Schatz…“ und in Form eines kleinen Anhängsels kam „Immerhin lasse ich mich von deinem Vater nicht dafür bezahlen.“ hinterher geschossen.

WUMMS !  Aua.  Der saß.
 
Ich denke, ich kann mit Fug und Recht behaupten,  selbst nicht auf den Mund gefallen zu sein…in dem Moment musste ich allerdings schlucken. Was erwidert man da? Ehrlich, was?!
Am schlimmsten war, dass ich genau wusste: Sie hat Recht.
Das einzige Familienmitglied, dem ich von der Escortsache erzählt habe, ist meine Schwester. Meiner Mama gegenüber habe ich kein Sterbenswörtchen erwähnt. Vertrauensbasis? - Geschenkt!
Irgendwie habe ich es, nach einer beträchtlichen Anzahl von Sekunden geschafft, wieder eine Verbindung zwischen Lippen und Sprachzentrum herzustellen und gefragt, seit wann und woher sie es weiß. Seit einigen Monaten, war die Antwort. Hat es zufällig mitbekommen, als ich mit meiner Schwester am Telefon darüber gesprochen habe…meine Schwester hat sich die Fußnägel lackiert, der Lautsprecher war eingeschaltet. Verdammte Scheiße.

„Und wieso hast du mich nicht sofort darauf angesprochen?“
„Ich habe auf den Zeitpunkt gewartet, ne dem du selbstständig zu mir kommst und es aus freien Stücken erzählst. Das hättest du doch irgendwann, oder?“
Nein! Ja? Himmel, was weißt ich denn!?
„Keine Ahnung. Ja, wahrscheinlich schon. Im richtigen Moment, vielleicht“
„Ach…für ein solches Geständnis gibt es einen richtigen Moment?!“
„Mama, man…keine Ahnung. Hast du es Papa erzählt?“
„Selbstverständlich nicht!“
„Gut.“
Und dann kamen die (wahrscheinlich?) üblichen Fragen und Floskeln. Warum? Liegt es am Geld? Du weißt, dass wir dich in allem unterstützen. Du hättest lediglich fragen müssen, ob du ein paar Hundert Euro mehr im Monat bekommst. – Es liegt nicht am Geld. – Woran dann?
Und so weiter und so fort.

Sie ist gerade eben gefahren. Wir haben uns darauf geeinigt, heute Abend nochmal zu telefonieren und in Ruhe über alles zu sprechen. Wenn die Köpfe ein bisschen abgekühlt sind.
Ich hab Bauchschmerzen und das Gefühl, dass ich galaktisch großen Mist verzapft habe.
Ich könnte mich im Grunde auch einfach auf ein „meine Sache!“ berufen, aber damit wäre es nicht getan. Ich meinte das ernst…das mit der Vertrauensbasis. Diese eine Sache mal ausgenommen, existiert mittlerweile tatsächlich ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zwischen uns. Es hat extrem lange gedauert…ist, wie ein Baum, im Schneckentempo gewachsen. Ein Ästchen nach dem anderen.
Und ich habe es, ohne groß darüber nachzudenken,  in den letzten zwei Jahren zu Feuerholz verarbeitet. Wäre die Welt 2012 untergegangen, hätte ich mich jetzt nicht an meiner eigenen Ignoranz verbrannt. Fuck.

3 Kommentare:

  1. Oha...ich hoffe, ihr bekommt das wieder hin.

    AntwortenLöschen
  2. emotional kann ich sie wegen der escortsache als mutter verstehen und juristisch hast du ja selbst schon eingeräumt, das sie recht hat und das ist auch gut so! erlebbare freiheit, frag mal pak song-chol.. und ich zitiere nur: "Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt." (Art. 2.1 GG)

    AntwortenLöschen

Ich bin mittlerweile dazu über gegangen, im Voraus ein wenig zu filtern. Bitte, bitte keine Handynummern und Kontaktadressen in eindeutiger Absicht! Die wurden früher regelmäßig gelöscht und werden nun eben in der Voarab-Durchsicht heraus gesiebt.
Ansonsten sind liebe Worte und gepfefferter Shitstorm gleichermaßen willkommen.