Dienstag, 23. April 2013

Klappe, die Vierundzwanzig-Komma-Fünfte: Immer mit der Ruhe…



Ok. 1,5L Eistee, 2 Becher Soja-Heidelbeer-Joghurt, 1 Aspirin und etwa 5 Zigaretten später. Mein Kopf ist ein mini kleines Bisschen klarer als zuvor.
Wie ich die ganze Sache finden soll, weil ich trotzdem nicht.


Meine Eltern, oh man, wo fange ich nur an.
Die beiden haben sich, als sie noch sehr jung waren, auf einer Reise kennengelernt. Anders als normale Menschen (die als Single in den Urlaub fahren und dann als Paar wiederkommen) sind meine Eltern erst einmal überhaupt nicht zurück gekommen. Einfach an Ort und Stelle (Ort und Stelle war Malawi in Afrika) bleiben und dort mit irgendwelchem wohltätigen Kram die Zeit totschlagen, ist alles andere als normal. Naja, jedem das seine.
Irgendwann (mittlerweile wieder in Deutschland gestrandet, studiert, angefangen zu arbeiten) bin ich auf den Plan getreten. Erst dann (und ich betone es extra _erst dann_) sind meine Eltern zusammen gezogen…Jahre lang ein Paar und keinerlei gemeinsame Wohnpläne?! So weit, so gut - mit mir im Anmarsch haben sie sich dann eine gemeinsame Wohnung gesucht (an die ich mich auch noch schemenhaft erinnern kann – wir sind erst ausgezogen, als ich in die Grundschule kam), irgendwann kam meine Schwester und noch ein bisschen später mein kleiner Bruder. Geheiratet haben meine Eltern nie. Jetzt mit einer Familien- und Erbrechtsvorlesung im Nacken weiß ich, dass die Ehe so ziemlich das gefährlichste Dauerschuldverhältnis ist, welches man als ahnungsloser Depp eingehen kann – als Kind habe ich die Beweggründe nie verstanden. (Sind können allerdings nicht juristischer Natur sein, meine Eltern haben nämlich beide samt keine Ahnung von Gesetzen. Meine Mama ist Kinderärztin und mein Papa Physik- und Geschichtslehrer) Ich war immer nur das seltsame, kleine Mädchen, das mit den Jungs skaten ging und augenscheinlich ober cool mit der Tatsache klarkam, dass fremde Eltern laufend Hochzeitstage feierten, während die eigenen nicht mehr als „fester Freund bzw. feste Freundin“ waren.
Als ich anfing zu pubertieren brachen die Streitereien los – laut, wüst, unanständig. Es flogen Beschimpfungen, es flogen Gegenstände, es flog mein Papa  (nämlich raus aus der Wohnung) – mehrmals. Sie haben sich anfangs immer wieder zusammen gerafft und nach ein paar Nächten bei Omi ist er wieder eingezogen, aber schlussendlich lief es doch auf die unausweichliche Trennung hinaus. Kein Rosenkrieg (eine Scheidung war ja nicht nötig) lediglich ein kurzer, schmerzhafter Nelkenkrieg.
Ich habe nicht nachgefragt, hatte die ober coole Rolle ja längst verinnerlicht und habe mich mit größtmöglicher Hingabe in meine eigenen Problemchen hineinmanövriert. Die Eiseskälte zwischen meinen Eltern hielt nicht ewig an. Irgendwann haben sie wieder miteinander Kaffee getrunken, sind zusammen joggen gegangen und wurden wieder gegenseitig bei den Schwiegereltern in-Ex-Spee zum Kaffee eingeladen. In meiner schlimmsten Phase (das war zwischen 16 und 18) verstanden sie sich –zu meinem damaligen Leidwesen- wieder hervorragend. Waren ein Team – auf freundschaftlicher Basis. Beide hatten zwar neue Partner, trotzdem wurden wichtige Entscheidungen -gerade im Bezug auf uns Kinder- wieder gemeinsam gefällt.
Die „neuen Partner“ wechselten (sowohl bei Mama als auch bei Papa) hin und wieder. Als ich nach dem Abitur ein Jahr lang ins Ausland ging, bahnte sich scheinbar etwas Ähnliches an, wie jetzt gerade. Ich habe lediglich das mitbekommen, was meine Schwester mir in den wenigen (aber umso kostbareren), gemeinsamen Skype-Minuten erzählt hat – scheinbar hatten sie irgendwie wieder etwas miteinander. Waren auch beide zur der Zeit single. Mein Bruder (damals noch recht klein) hat die Welt nicht mehr verstanden. Der hat nie elterliche Sexualität kennengelernt – jedenfalls keine gemeinsame.
Als ich zurück kam (und danach auch recht flott in meine jetzige Stadt gezogen bin und anfing zu studieren) war es schon wieder vorbei. Meine Mama hatte irgendeinen Neurologen am Start und mein Papa erzählte ständig von einer super netten Kollegin.
Wieder eine Umstellung für meinen Bruder.

Und jetzt? Jetzt geht es wieder los? (Neurologe und Kollegin sind zwar schon länger ad acta und mein Bruder ist derzeit Gott sei Dank weit weg…trotzdem glaube ich nicht, dass er es sonderlich supi fänd, wenn der Mama-Papa-Hantier jetzt wieder losginge)
Ich weiß nicht ob ich es super fände. Ich habe mich daran gewöhnt, dass meine Eltern getrennt sind, es ist nicht die schönste Sache der Welt, aber es ist mittlerweile normal. Es ist ok.
Ich möchte kein Hin und Her – auch im Sinne meiner Schwester nicht. Familiäre Turbulenzen sind das Letzte, was man im Abijahr gebrauchen kann.
Das muss fürchterlich egoistisch klingen, aber so ist es nicht gemeint. Keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll…aber es ist irgendwie verstörend. Meine Eltern, zusammen, Papa der die Nacht bleibt…ja, es stört.
Och man. 

3 Kommentare:

  1. Ich kann deine Gefühle verstehen. Meine Eltern sind auch getrennt...mit dem Unterschied, dass ich dafür sehr dankbar bin.
    Und es ist nicht egoistisch...deine Eltern sollten es besser wissen.

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  2. Puh. Das ist echt ziemlich heftig.
    Gerade als Elternteil sollte man als Erstes an das Wohl seiner Kinder denken. Und hier ist ganz klar: ihr leidet darunter.
    Hast du mal das Thema angesprochen?
    Vor allem in der Abizeit deiner Schwester... als ob man da nicht genug Probleme hätte...
    Tut mir leid :C

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  3. Das ist keineswegs egoistisch. Es ist rücksichtslos von deinen Eltern, ihren Kinder diesen Taumeltanz anzutun. Wie sollt ihr bitte lernen, vielleicht irgendwann mal eine beständige Beziehung zu führen, wenn ihr das ständig miterleben müsst. Wahrscheinlich sind deine Eltern sich dessen gar nicht bewusst. An deiner Stelle würde ich eine klare Aussage machen. Wenn sie sich tatsächlich nochmal etwas aufbauen wollen, sollen sie sich im Café treffen - wollen sie ihre Triebe ausleben (was jedermann/-fraus gutes Recht ist), dann können sie sich ein Zimmer nehmen. Ein bisschen Diskretion wär in dem Fall wirklich angebracht.

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Ich bin mittlerweile dazu über gegangen, im Voraus ein wenig zu filtern. Bitte, bitte keine Handynummern und Kontaktadressen in eindeutiger Absicht! Die wurden früher regelmäßig gelöscht und werden nun eben in der Voarab-Durchsicht heraus gesiebt.
Ansonsten sind liebe Worte und gepfefferter Shitstorm gleichermaßen willkommen.