Freitag, 27. Juni 2014

Klappe, die Zweiundvierzgste: All night long



Du hast über die Chefin anfragen lassen, womit du mir eine kleine Freude machen könntest, ich wollte nicht schon wieder Dessous geschenkt bekommen, also habe ich sie weiterleiten lassen, dass mir kürzlich Marc Jacobs Daisy leer gegangen ist.

19:30 Uhr, wir haben uns vor dem Club getroffen, begrüßt und keine 2 min. später bin ich stolze Eigentümerin eines neuen Parfumflakons.  Diesmal sogar 75ml – wunderbar, das dürfte ein wenig länger halten.
„Alles kann, nichts muss!“ flüsterst du in mein Ohr und wir müssen beide richtig heftig lachen. Das ist so ein bisschen zu unserem Runninggag geworden, seit wir vor über zwei Jahren das erste Mal zusammen hier waren. Es war damals sogar dein erstes Mal überhaupt – und du kleine (damals 46 jährige) Swing-Jungfrau warst dermaßen nervös, dass du vorher alle möglichen Mythen und Wahrheiten, Fakten und Nichtfakten über Clubs dieser Art aus dem Internet hervor beschworen hast. ‚Alles kann, nichts muss‘ ist das Motto, über das du damals scheinbar am häufigsten gestolpert bist und seit dem haben wir es verbal so dermaßen durch genudelt, dass es nun bei jedem Aussprechen lustiger wird. Wir zahlen den Paar Preis und gehen rein.




Ca. 20 Uhr: Ich zwick‘ dir ins Ohrläppchen und versuche so zu tun als wäre ich beleidigt, dass du schon wieder die selbe Club-Kluft anhast – du kaufst es mir nicht ab, nimmst mich in den Arm und wir machen eine kleine Tour. Erst einmal abchecken, wo viel los ist. Erwartet leer heute, höchstwahrscheinlich WM bedingt. Umso besser.

Ca. 20:10 Uhr – Unser grau-schwarzes Lieblingssofa ist besetzt. Wir wählen ein anderes am Rand. Auf der Satinwiese in der Mitte beschäftigt sich ein Farbiger Glatzkopf mit einer molligen Frau. ‚Auch ein Escortpäärchen‘ ist mein erster Gedanke.  Allerdings fängt sie nach einiger Zeit an, ihn zu teilen. Dann wohl eher doch nicht. Du hast mich noch nie geteilt. Andere mit denen ich Clubs besucht habe auch nicht.
Wir beobachten die (mittlerweile 4) in der Mitte, streicheln uns und unterhalten uns leise flüsternd über Schwanzgrößen. Wir wollen kein Gruppending, wir wollen nicht einmal groß exhibitionistisch auffallen. Gediegenes Petting und dem kleinen inneren Voyeur frönen. 




Ca. 21:30 Uhr.  Wir sind zum zweiten Mal am Buffet gewesen. Es ist (wie kann es anders sein?!) deutschlandmäßig dekoriert. Und dabei dachte ich, dass Menschen die an einem Abend wie dem Heutigen hier aufschlagen, dem ganzen Fußballzirkus entfliehen wollen?! Hmpf. Der grüne Spargel passt nicht in die schwarz rot gelben Antipasti – schmeckt aber trotzdem. Wie jedes Mal muss ich dem ernsthaften Drang widerstehen, mein Handy aus dem Spind hier rein zu schmuggeln um die überall vor dem Buffet hängenden, lustigen „Hier bitte keinen Geschlechtsverkehr praktizieren. Vielen Dank!“-Schilder zu fotografieren. Gibt es echt Leute, die man mittels Schilderflut daran erinnern muss, dass im Essbereich nicht gevögelt werden sollte?! Verrückte Welt.

Ca. 22:00 Uhr – Wir haben uns in einen der Sprudelpools zurück gezogen und fechten einen kleinen Machtkampf mit einem der bereit gestellten Kondome aus. Erst ich, dann du, dann wieder ich, dann gewonnen. Ich nehme mir vor, dass ich ab jetzt eigene (die ich ja ohnehin in der Tasche dabei habe) mit rein nehme. Die, die sie einem hier zur Verfügung stellen sind super billig. Ist zwar kein Wunder, aber trotzdem nicht minder ärgerlich. Du lässt dich treiben und wir spielen ‚französisch beim toten Mann‘.



Ca. 22:30 Uhr: Wir sind trocken und angezogen und leicht angetrunken und auf dem Weg ins Hotel. Es ist nicht nötig, den Taxifahrer zu fragen, ob Klinsmann oder Löw den Kürzeren gezogen hat. Die besoffen grölenden Trikotmenschen in der Innenstadt sprechen eine deutliche Sprache.
Ich weiß, dass es nicht ok ist, über andere Clubpaare zu lachen. Du weißt das auch. Wir tun es trotzdem. Ein sonnenbank-über-bräuntes, komplett tätowiertes Duo, dass uns eben im Venuszimmer auf Teufel komm raus in ein Gespräch verwickeln wollte, lässt uns keine andere Wahl.

Ca. 23 Uhr. Wir haben noch mehr Champus intus. Diesmal echten. Der im Club war nicht echt, da sind wir uns sicher. Reverse-Cowgirl magst du am liebsten und ich habe nichts dagegen. Du bist ein regelrechter Hingucker. Willst das Eindringen jedes Mal genau beäugen. Hast schon mehrere Male gesagt, dass du es liebst, meine Pobacken dabei auseinander zu ziehen und zu beobachten wie meine inneren Schamlippen deinen Schwanz beim Hochgehen oben bedecken, wie ein kleines Hütchen. Ich masturbiere auf dir und es steht am Ende 2:1 für dich.

Ca. 23:20 Uhr – wir haben noch ein bisschen geknutscht und du knotest erst jetzt das Kondom zu. Ich öffne das Fenster und beobachte unten kurz, wie zwei viel zu teuer aussehende Karren in die Hoteltiefgarage gefahren werden. Auf dem Bett erzählst du mir von deiner Arbeit und vom aktuellen Freund deiner Tochter, den du hasst. Ich frage dich, ob du nicht alle ihre Freunde bisher gleichermaßen gehasst hast. Du insistierst, dass der Letzte eigentlich ganz okay war. Glaub ich dir nicht. Dieser besitzergreifende Papa-Blick spricht Bände.

Ca. 00:00 Uhr. Wir haben zusammen geduscht und die kompletten Hyatt-Pröbchen verplempert. Du hast den Wunsch geäußert, dass ich mich vor dem nächsten Treffen nicht extra rasiere, weil du das gerne machen würdest. Überall, sogar an den Beinen. Pfff., mir völlig Latte…muss ich nicht so viel Zeit in die Vorbereitung investieren.




Ca. 00:40 Uhr:  Wir haben den Zimmerservice nochmal aus den Puschen geklingelt. Ich bin froh, dass dir ebenfalls auffällt, wie unfreundlich die junge Dame ist. Aber immerhin deine Laune ist wieder gerettet, als ich dich die Zitronenglasur vom Kuchen über meinen Po schmieren und ablecken lasse. Du bist für heute gänzlich durch mit eigenen Reizen. Keine Chance mehr, was die Wiederbelebung deiner Härte angeht. Wir müssen beide darüber lachen, dass selbst die ehrgeizigste Zungenmassage deiner Hoden von meiner Seite aus, nicht fruchtet. Durch mit eigenen Reizen bedeutet für dich allerdings noch lange nicht durch für den Rest des Abends

Ca. 01:40 Uhr – Du hast dich erst an zwei meiner Vibratoren vergriffen und dann mit den Fingern noch ein bisschen hinten herum doktern dürfen. Jetzt hast du dich auf deiner Bettseite zusammen gerollt und schläfst. Ich habe dir noch ein Weilchen lang über die Brust und durch die Haare gestreichelt – mittlerweile liege ich auf meiner Seite und höre ein Hörbuch. Kind 44 von Tom Rob Smith.

Exakt 02:21 Uhr. Ich bin das erste Mal aufgestanden, habe eine Sms geschrieben und den iPod zur Seite gelegt. Du schläfst tief und fest. Ich werde langsam auch extrem müde, deswegen werfe ich mir mit nem Schluck Cola light ne‘ halbe Modafinil ein und schleiche ganz langsam auf den Balkon um eine zu rauchen. Draußen ist es jetzt ziemlich still. Kaum Autos, noch viel weniger Passanten. Unten zwei Portiers, die auch schmökern.




Ca. 04:00 Uhr – Mir gefällt das Hörbuch extrem gut. Ich mag Krimis die nen leicht historischen Touch haben und hier werden die fürchterlichen Zustände in der UDSSR zu Stalinzeiten verdammt bildhaft rüber gebracht. Ich sollte mir das Buch kaufen - lohnt. Du schläfst immer noch ganz, ganz tief. Ich habe noch keine Sekunde geschlafen (bin dank der Moda allerdings auch kein bisschen müde) und werde auch keine Sekunde lang die Augen zu machen. Ich schlafe nie während ON Dates. Keine Ahnung ob es daran liegt, dass ich einfach zu viele Tatorte geguckt habe – oder an den vier Strafrecht Vorlesungen, die ich im Grundstudium gehört habe. Jedenfalls traue ich mich nicht, zu schlafen. Es liegt nicht an dir – du bist super, dich kenne ich schon lange und das ist auch der einzige Grund, weshalb ich ONs bei dir überhaupt zusage. Trotzdem will ich nicht schlafen.

Ca. 05:30 Uhr: Ich war inzwischen noch zwei Mal auf dem Balkon. Einmal mit iPod, einmal ohne. Zweimal mit Malboro. Es ist inzwischen wieder heller geworden. Meine Coke ist schon seit geraumer Zeit leer und ich habe ziemlich Durst. Hier im Zimmer haben wir nur Champus – den möchte ich so früh morgens nicht. Und das Zeug aus der Minibar rühre ich nicht an, solange du nicht das okay gibst. Ist schließlich deine Rechnung. Ich trinke Wasser aus der Leitung und höre weiter.

Exakt 06:30 Uhr – Dein Wecker hat geklingelt. Als du nach dem zweiten Mal Schlummertaste langsam einigermaßen wach wirst, liege ich im Handtuch neben dir. Ich habe nochmal kurz geduscht, mir die Zähne geputzt und mich geschminkt. Du erzählst, dass du super geschlafen hast und ich lüge, dass es mir ebenso ging. Ich packe meinen ganzen mitgebrachten, rausgeholten, benutzten oder auch nicht benutzen und mittlerweile mit Sagrotanspray gesäuberten Toykram zurück in meine Tasche, während du dir die Zähne putzt und dir zumindest schon mal Shorts und Hose anziehst. Du musst um 09:00 Uhr im Büro sein – genug Zeit also, um im Bett zu frühstücken.

Exakt 08:03 Uhr – Ich sitze im Taxi auf dem Weg in die Uni. Meinen Durst habe ich mit einer Flasche Club Mate vom Kiosk bezwungen. Müde? Nein. Wohlhabend? Ja. Hungrig? Ein wenig.



8 Kommentare:

  1. darüber darf ich keine Auskunft geben (also bin ich Geheimagent).

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  2. im ernst: privat sage ich dir das gerne. hier hat das nix zu suchen. Tastatur respektive Laptop habe ich eigentlich nur sa/so. manchmal auch freitags. zu erkennen an der ordentlichen groß/Kleinschreibung. auf dem Handy gebe ich da nichts drauf. warum fr abend nicht unterwegs?

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  3. zum Rest: schmuseabend wäre klasse. bin aber nicht in Frankfurt unter der Woche. morgen erst. ziehe mir hier in der Bude zwei Bier. bin fertig. wie sehen deine kuschelsocken aus??

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  4. ich habe nie behauptet dass mein Verhalten ihr gegenüber fair sei. ich bedaure das zutiefst. sie ist eine tolle Frau. menschlich. ich bekomme oft zu hören wie hübsch Sie ist. und doch... niemand versteht das weniger als ich. ich habe Erklärungsansätze aber das sprengt den Rahmen. Leben kann ein arschloch sein.

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  5. HandyTastatur scusi. wo drückt der Schuh bei dir überhaupt? narzissmus? borderlinerin? beziehungsunfähig? ich verstehe die Dinge nun mal gerne.

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  6. ich weiß halt nur nicht inwieweit theoretisieren da weiterhilft. das ist nicht Dieses greift Paragraph 1 nicht Wende ich 2 an. die Floskel derer ich noch gern bemächtige mag abgedroschen sein. aber sie ist wahr: die Dinge sind Wie sie sind. hinterfragen muss nicht immer gut sein. ich hinterfrage wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. und der ist gekommen wenn ich die Frau gefunden habe die ich suche.

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  7. Sehr interessanter Eintrag. Es ist durchaus faszinierend, wie du den Abend beschreibst und auf welche Details du wert legst ♥. Hast du schon mal darüber geschrieben, was dich zu deinen Nebenjob gebracht hat? Würde mich wahnsinnig interessieren.

    Wer hätte gedacht, dass sich Serienkiller solche Gemeinsamkeiten haben.

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  8. eure liaison is ja fast spannender als der content... dennoch die würdigung lionel richie's taugt mir sehr!
    aber wie ich diesen ICH au ma geil finde, hab den au als knettball zuhause stehn, gehört zwar ne mir, aber der kuckt ja jeden doof an, was gut is :p

    war ja 'ne lange nacht, würd ich mri in meinem alter ne mea zutrauen.. aber gut, dass du die bestätigung für diese entscheidung, sich von diesem leben grds. zu distanzieren - mit dem plakat am buffet, hier bitte ne ... - gleich mitlieferst...

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Ich bin mittlerweile dazu über gegangen, im Voraus ein wenig zu filtern. Bitte, bitte keine Handynummern und Kontaktadressen in eindeutiger Absicht! Die wurden früher regelmäßig gelöscht und werden nun eben in der Voarab-Durchsicht heraus gesiebt.
Ansonsten sind liebe Worte und gepfefferter Shitstorm gleichermaßen willkommen.