Montag, 30. Juni 2014
Klappe, die Fünfundvierzigste: Mit freundlichen Grüßen, S. Freud
Ich wohne noch oder wieder Zuhause. Gehe ins Zimmer meiner kleinen Schwester, klettere auf ihr Regal und nehme alle feinsäuberlich beschrifteten Kisten herunter. Ich öffne die erste, auf der ‚Graubrot‘ steht, und hole den verschimmelten, harten klotz Graubrot heraus. Es folgen die anderen Kisten, in denen ebenfalls die außen beschriebene Brotsorte in verdorbener Form zu finden ist. „Hebt mal bitte die Beine hoch, damit ich an den Mülleimer heran komme“ fordere ich meine Schwester und ihren Freund auf, die am Schreibtisch sitzen und meiner Aufräumaktion nicht die geringste Aufmerksamkeit schenken. Ich lese mir eine brüchig wirkende Seite selbstgeschriebener Notizen durch. Ich bin nervös, gehetzt irgendwie. Habe Angst, dass ich das, was ich sagen will, ja sogar unbedingt sagen muss, nicht vernünftig rüber bringe. Aus Nervositätsgründen vielleicht. Irgendein Bediensteter kommt in den Raum in dem ich warte und winkt mich ins Vorsprechzimmer. Ich klammere mich an meinen Notizen fest, atme tief durch und merke, dass das Atmen weh tut. Weil es keine Luft ist, die ich atme, sondern Kohlenstaub. Ein Mann in einem Arztkittel zeigt mir ein Bild von einem fleischigen, schwarzen Klumpen. „Sie müssen aufhören, Kohlen zu atmen. Sauerstoff. Die Lunge braucht Sauerstoff.“ Ich will ihm erklären, dass ich das nicht absichtlich gemacht habe, aber er ist bereits weg. Papa ist genauso nervös wie ich. Der Platz vor der Buchhandlung ist gerammelt voll, aber wir stehen relativ weit vorne, weil wir rechtzeitig hergekommen sind. Wir haben das Buch beide – es auch ungefähr zeitgleich gelesen. „Vielleicht stirbt er ja nach dieser Lesung und kann nie wieder eins seiner Bücher signieren und dann sind unsere in ein paar Jahren tierisch viel wert.“ Sage ich zu Papa, aber er hat mir nicht zugehört, weil er einen Bettler beobachtet, dem die Menschenmengen Platz machen. Der Bettler sagt nichts, weder als er auf uns zukommt, noch als er meinem Papa eine feine Spritze in die Schulter rammt und weg rennt. Ich weiß aus irgendeinem Grund, dass der Inhalt dieser Spritze unheimlich gefährlich ist, rede auf meinen Papa ein, dass wir unbedingt sofort ins Krankhaus müssen, weil er sonst an der Injektion stirbt. Mein Papa weiß nichts von irgendeiner Spritze - fragt mich ob ich verrückt bin, aber immerhin sind die Menschen weg. Wir stehen an einer Bushaltestelle und es regnet, als mein Papa zusammen klappt und auf dem nassen Asphalt stirbt, während ich dem Bus hinterher brülle, dass es seine Schuld ist, weil er uns nicht ins Krankenhaus gefahren hat. Mein Gesicht ist klatschnass vom Regen und den Tränen. Noch nicht einmal die kleine grau getigerte Katze, die um meine Füße streicht kann mich trösten. Ich habe sie noch nie zuvor gesehen, obwohl ich ganz genau weiß, dass sie mir schon immer gehört hat und ich sie jeden Abend füttere.
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Ich bin mittlerweile dazu über gegangen, im Voraus ein wenig zu filtern. Bitte, bitte keine Handynummern und Kontaktadressen in eindeutiger Absicht! Die wurden früher regelmäßig gelöscht und werden nun eben in der Voarab-Durchsicht heraus gesiebt.
Ansonsten sind liebe Worte und gepfefferter Shitstorm gleichermaßen willkommen.