Mittwoch, 16. Juli 2014

Klappe, die Zweiundfünfzigste: Kein Rock, dafür umso mehr Roll!



Gerade heim gekommen – Holy Moly war das cool eben! Ich glaube ich werde mich bei der kurzen Schilderung fast ausschließlich auf den Kurs beschränken, weil der tatsächlich das unangefochtene Highlight des Dates war. Hotel hinterher war nicht schlimm, aber auch nicht spektakulär. Vorallem aber kurz.

Langweiliges Blabla:
Um 19:30 Uhr getroffen  // 250€ Eddie Borgo Gutschein geschenkt bekommen // im Taxi zum Kursrestaurant über die Hitze, die Uni und die Unannehmlichkeiten internationaler Flüge geplauscht // festgestellt, dass er kein Meisterküsser ist // mir Gezeter über schlechte Aktienkurse angehört

Aber dann:
Dort angekommen, haben wir den Sushi-Koch (Nennen wir ihn Flipflop-Indianer) und die anderen Teilnehmer kennengelernt. Neben uns haben noch zwei Schwestern (Nennen wir sie Hups und Schwups), ein Ehepaar (Nennen wir ihn Monobraue und sie Königin der passiven Aggressivität) und ein Single Typ (Nennen wir ihn Lord Aftershave) den Kurs besucht. Das alleine war schon ein Highlight für sich, weil wir einen derart seltsamen Haufen abgegeben haben, dass man das Sushi-Rollen getrost hätte weglassen können – der Abend wäre auch mehr als amüsant geworden, insofern man einfach bloß Gespräche miteinander geführt hätte. 
Lord Aftershave war ein echter Pausenclown. Hups war auffallend ungeschickt und Schwups äußerst schnell und agil im Aufwischen der Schweinereien, die ihre Schwester fabrizierte. Ich war einfach ich. Flipflop-Indianer war alles andere als asiatischer Abstammung, dafür jung und schlagfertig und auch wirklich nett. Mein Begleiter war der geborene ‚Ich-fahre-ein-unverschämt-teures-Auto/Kann-jede-haben/Residiere-nur-in-5-Sterne-Resorts‘-Angebertyp. Die Königin der passiven Aggressivität war…na, muss ich da mehr zu sagen?! Ich finde das Pseudonym spricht Bände. Monobraue war couch-potato-mäßig süß und anfangs sehr, sehr schüchtern. Er war mein erster Teampartner. (Oh, Moment, vorher sollte ich noch kurz auf den Ablauf eingehen! Nachdem wir uns alle miteinander bekannt gemacht hatten, hat Flipflop-Indianer uns in wahllose Teams zusammen gemischt, in denen wir gemeinsam die Frage, was die absolut wichtigste Zutat für gutes Sushi darstellt, beantworten sollten. Hinterher hat jedes Team den anderen seine Lösung vorgestellt und den Gewinnern hätte das Recht des späteren ersten Probierens zugestanden. Danach durften wir uns wieder mit unserer Ursprungsbegleitung zusammen tun und dann ging es los mit dem eigentlichen Sushi-Making)

Monobraue war also mein erster Teampartner. (Mein Begleiter hat übrigens Hups abbekommen! Beim Präsentieren ihrer Lösung ist sie ihm volle Granate auf den Fuß getrampelt und ich war soooo neidisch auf Lord Aftershave, dass der im Gegensatz zu mir einfach ungeniert los kichern konnte! In meinem Fall hätte das übelst aufs fucking Trinkgeld gedrückt.) Monobraue und ich haben uns (unter den vernichtenden Blicken der Königin) beim Beantworten der Frage auch leise über dies und jenes Private ausgetauscht (er war wirklich niedlich), lagen am Ende aber dennoch falsch.
Merke:
Laut Flipflop-Indianer ist die wichtigste Zutat für Sushi-Rollen nicht etwa frischer Fisch (Monobraues und meine Lösung) oder gutes Equipment (Vorschlag von Lord Aftershave und Schwups), sondern gute Laune! Aha. Ok. Keiner lag richtig, deswegen durften wir später alle zugleich probieren.



Hinterher ging es los mit passioniertem Schnippeln. (Hups hat die Hälfte ihrer Avocadoquader erst mal gekonnt auf den Boden gefegt – war aber nicht schlimm, weil Schwups sofort zur Stelle war, um die fettige Matsche mit Zewa zu beseitigen) 
Und Reis kochen. (Die Königin hat Monobraue unaufhörlich zum Umrühren gedrängelt, weil sie der Meinung war, der Reis würde sonst am Topfboden anbacken) 
Und Reis mit einer Geheimmixtur aus Apfelessig und diversen Gewürzen versehen. 
Und Rollmatten auslegen. 
Und Nori zurecht schneiden plus befeuchten. (Lord Aftershave hat sich die Überbleibsel vom Zurechtschneiden an alle 10 Finger geklebt und uns anderen theatralisch weismachen wollen, sie hätten sich in seinen Fingern festgebissen) 
Und schließlich wurde gerollt. 
Die Königin war mit allem unzufrieden, hat das aber nicht verbal kundgetan sondern lediglich vernichtende Blicke auf einen jeden Roller abgefeuert – wir könnten sie eigentlich auch Blick-Bolzen-Armbrust-Schützin des Todes nennen. Mein Begleiter hat sich im Gegensatz zu fast allen anderen (lediglich Hups stand ihm in Sachen Talentbegrenzung in nichts nach) allerdings wirklich als ein schlechter Roller erwiesen. Flipflop-Indianer hat ihn zig mal verbessern müssen, weil er die Dinger einfach zu lasch gezwirbelt hat, sodass hinterher schlaffe, auseinander fallende Rollen dabei heraus kamen. (Die haben den Lord wiederrum zu einigen manneskraft-feindlichen Witzen inspiriert) Schwups war  wider Erwarten die geschickteste Rollerin von uns allen zusammen. Monobraue und ich dümpelten ungefähr auf einem Level des Könnens – nicht schlecht, aber auch nicht brillant. Auf einer Sushi-Wellenlänge zu paddeln schweißt zusammen, deswegen haben wir uns auch recht schnell auf einem gemeinsamen Brett zusammengefunden. Wie viele königliche Todesbolzen wir uns damit einfangen haben, könnte ich im Nachhinein überhaupt nicht mehr zählen.


Wahllos aufgeschnappt:
Hups: „Oh nein! Verdammt! Ich wusste nicht, wie glitschig die sind.“
Schwups: „Warte, nicht bewegen, sonst schmiert es noch mehr über deine Bluse“

Lord Aftershave: „Was ist klebrig und schwingt durch den Wald? TARZIPAN!!“


Monobraue:                                 „So?“
Königin v. Passiv-Aggressivistan:  „Nein!“
Monobraue:                                 „So?!“
Königin v. Passiv-Aggressivistan: „Nein!!“
Monobraue:                                „Möchtest du gelbe oder rote Paprika?“
Königin v. Passiv-Aggressivistan: „Nein.“

Flipflopindianer zu Schwups: „Du bist die Heldin des Abends!“
Schwups: „Hihi…danke“ 

Mein Begleiter: „Auf meiner Reise durch Japan hab ich das hunderte Male gemacht. Da haben die Rollbrettchen aber besser funktiniert!! Ich weiß nicht, wieso das hier nicht klappt – wahrscheinlich sind die nicht original!“
Ich: „Hm.“


Am Ende kamen dann bei allen doch recht ansehnliche Maki heraus. Und lecker waren sie auch! Fazit: Ich habe (abgesehen vom gemeinsamen Essen hinterher) nicht sonderlich viel Zeit mit meinem Begleiter verbringen müssen. Monobraue und ich haben viel miteinander gelacht – wahrscheinlich muss er die heutige Nacht auf der Couch verbringen. Die Königin wird ihre Mundwinkel aus eigener Kraft und ohne die Hilfe von plastischer Chirurgie wohl niemals in eine freundliche Höhe gelenkt bekommen. Lord Aftershave hat mich nach meiner Telefonnummer gefragt. Hups und Schwups haben sich als reizende Gesprächspartnerinnen entpuppt. Der Flipflop-Indianer hat uns liebevoll als einen der untalentiertesten Kurse bezeichnet, der ihm jemals unter gekommen ist – würde sich aber sehr freuen, uns noch einmal wieder zu sehen.

Dieser Kurs war wirklich eine urcoole Kiste. Ging leider viel zu schnell vorbei. Ich wäre am liebsten noch länger geblieben – hatte Null Bock auf die Hotelzeit. Die hat dann zum Glück allerdings überhaupt nicht lange gedauert. Nur ein Gummi verplempert und auch keine Aktienkursnörgelei mehr reinziehen müssen, weil mein Begleiter hinterher todmüde war  (also wirklich richtig todmüde – der hat kämpfen müssen um seine Lider oben zu halten) und mich zwecks Schönheitsschlaf lange vor den gebuchten 2 Std. entlassen hat. Yay.

4 Kommentare:

  1. Du lebst das Leben eines Rockstars.

    ich War gestern Sushi essen. ich mag die kleinen schlingel einfach. und wegen des streichens: schade ; )

    AntwortenLöschen
  2. yo. bin vor paar Wochen eingezogen. Farbe an der Wand bröckelt und Möbel habe ich bislang auch nicht. schlechte ausbeute.
    ich gehe mal schlafen. halte mich auf dem laufenden was sich in deinem Leben so tut. <3

    AntwortenLöschen
  3. genialer post. bringt mich zum schmunzeln. und ich kenne hier niemanden auf blogger der so einen guten schreibstil hat wie du! richtig fesselnd!!! :)

    AntwortenLöschen
  4. Made my day!

    Du schreibst dermaßen erheiternd und bildhaft- du solltest über ein eigenes Buch nachdenken. Nicht nur lesen sondern schreiben! ;-)

    *imaginären Hut zieh*

    AntwortenLöschen

Ich bin mittlerweile dazu über gegangen, im Voraus ein wenig zu filtern. Bitte, bitte keine Handynummern und Kontaktadressen in eindeutiger Absicht! Die wurden früher regelmäßig gelöscht und werden nun eben in der Voarab-Durchsicht heraus gesiebt.
Ansonsten sind liebe Worte und gepfefferter Shitstorm gleichermaßen willkommen.